Hintergründe & Fakten
Warum gewinnt Singapur für Biotech-, Healthcare-, und Pharmaunternehmen zunehmend an Bedeutung?
Insbesondere für deutsche Unternehmen gewinnt der Stadtstaat an Bedeutung. In Zeiten geringerer Margen und hoher Auflagen, speziell im Bereich der Medikamentenproduktion, sind Unternehmen in der Situation, nach günstigeren Produktionsplätzen Ausschau zu halten.
Zwar ist Singapur kein Billiglohnland, dennoch sind die Barrieren, um ein medizinisches Produkt in den Markt zu bringen niedriger. Während es in Deutschland länger dauert, bis ein Produkt Marktreife erreicht und in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird, ist dieser Prozess in Singapur kürzer. Dort spielen die vernetzte Forschung und der starke Mix aus gut ausgebildeten Fachkräften und staatlicher Förderung eine wichtige Rolle. Forschungsergebnisse sind zudem weltweit anerkannt. Im Oktober 2009 wurde Singapur in die Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD) and Mutual Acceptance of Data (MAD) aufgenommen. Aufgrund dieses Status werden die vorklinischen Forschungsergebnisse von allen 30 OECD-Mitgliedern und vielen weiteren OECD-Nicht-Mitgliedern akzeptiert. Das bleibt nicht unentdeckt: Laut der singapurischen Außenhandelsagentur (SPRING), lassen sich jährlich aufgrund des umfangreichen und hochwertigen medizinischen Angebots rund 400.000 Patienten aus aller Welt in Singapur behandeln.
Welche Besonderheiten zeichnen den singapurischen Gesundheitsmarkt aus?
Singapur ist führend im Bereich zukunftsorientierter Gesundheitslösungen. Neben einer effizienten Finanzierung des Gesundheitswesens spielt vor allem die Bereitstellung bezahlbarer Medikamente für alle eine wichtige Rolle. Das integrierte Gesundheitssystem wird durch die elektronische Erfassung von Krankenakten unterstützt, die den sicheren Austausch von Patienteninformationen zwischen verschiedenen Krankenhäusern ermöglicht. Ein Vorteil für ausländische Unternehmen, die sich im vernetzten Gesundheitssystem des Stadtstaates einfach zurechtfinden können.
Die Unternehmen können sowohl mit Krankenhäusern, Polykliniken und häuslichen Pflegeorganisationen kooperieren als auch mit Spezialeinrichtungen aus verschiedenen Bereichen (zum Beispiel Neurologie oder Onkologie).
Welche Vorteile bietet Singapur den Unternehmen?
Konzerne, die den ersten Schritt in den asiatischen Markt wagen, eröffnen zunächst häufig einen ersten Standort in Singapur. Das hat vielerlei Vorteile: Binnen weniger Flugstunden sind weitere wichtige Partnerländer und aufstrebende Märkte erreichbar (Indien, China). Singapur verfügt über eine handlungsfähige Regierung. Die Amtssprache ist Englisch und die Regierung ist gegenüber ausländischen Investoren sehr aufgeschlossen.
Wie sind die Forschungsbedingungen vor Ort beschaffen?
Die konsequenten Förderprogramme für den Bereich Forschung und Entwicklung zahlen sich aus. Die praktische Umsetzung übernimmt die Behörde Agency for Science, Technology and Research (A*STAR). Sie verwaltet inzwischen 14 Forschungsinstitute und sieben Forschungszentren und sorgt für die Ausbildung von Wissenschaftlern und Forschern an eigenen Akademien und Universitäten. An den Fördermaßnahmen können auch ausländische Unternehmen teilnehmen. Dazu ruft A*STAR kontinuierlich Kooperationen ins Leben. Die Agentur unterzeichnet fast im Monatsrhythmus Partnerschaftsabkommen mit der Privatwirtschaft oder wissenschaftlichen Einrichtungen aus aller Welt.
Zudem bietet Singapur in Sachen Forschung eine ausgezeichnete Infrastruktur. Zu den hochmodernen Standorten gehört seit 2006 ein Forschungszentrum für Biotechnologie, namens „Biopolis“. Ein Zentrum für angewandte Natur- und Ingenieurwissenschaften „Fusionopolis“ kam zwei Jahr später hinzu. 2000 Forscher und Techniker arbeiten derzeit in der Anlage. Im Rahmen der Medizinforschung arbeiten derzeit mehr als 4300 Wissenschaftler an mehr als 30 Standorten. Grundlagenforschung wird an den zwei staatlichen Universitäten, der Nanyang Technological University (NTU) und der National University of Singapore (NUS) betrieben. Im Jahr 2009 erhielten rund 17000 Akademiker den Abschluss allein an einer dieser beiden Universitäten.
Wie stellt sich die Konkurrenzsituation im singapurischen Markt dar?
Das Land gilt in Sachen Unternehmens-Ansiedlung nicht mehr als unentdeckt. Konzerne wie Siemens und Merck verfügen bereits über mehrjährige Erfahrungen im asiatischen Markt und haben früh für ein Standbein in Singapur gesorgt. Aufgrund der wachsenden und stetig älter werdenden Bevölkerung – vor allem im asiatischen Raum – entdecken Pharma- und Biotechunternehmen rund um den Globus den Inselstaat für sich. Mittlerweile sind nach Angaben der singapurischen Außenhandelsagentur SPRING bereits mehr als 1200 deutsche Unternehmen vor Ort vertreten. Mehr als 30 der weltweit führenden Biotechunternehmen haben sich für Singapur entschieden. Darunter Schwergewichte wie AstraZeneca, Bayer, Boehringer-Ingelheim, Glaxo Smith Kline und Roche.
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